Donnerstag, 21. Februar 2013

Bericht Holzgastagung St. Pölten

Mehrere hundert Besucher folgten am 21.2.2013 der Einladung von AGRARPLUS zur Holzgastagung nach St. Pölten. Die Tagung wurde im Rahmen des Programmes "INREN - intelligent use of renewable energy" zweisprachig deutsch und slowakisch mit Simultanübersetzung durchgeführt. INREN ist ein Kooperationsprojekt im Bereich Erneuerbare Energie bestehend aus zwei Kooperationspartnern in Österreich (Agrarplus, Energiepark Bruck/Leitha) und drei Partnern in der Slowakei (Stadt Malacky, Energy Centre Bratislava, TSÚP Rovinka).

Nach der Registrierung der Teilnehmer ...


.... eröffnet LKR DI Felix Montecuccoli von den Land- und Forstbetrieben Österreichs die Tagung.


DI Christian Mayerhofer von AGRARPLUS moderiert.

 
DI Dr. Horst Jauschnegg vom Österreichischen Biomasseverband referiert über die Bedeutung der Energie aus Biomasse in Österreich. Er geht näher auf die Klimaproblematik ein.


MMag. Josef Holzer von der OeMAG berichtet über das aktuelle Ökostromgesetz und die Tarife für Holzgasanlagen. Die OeMAG ist die Abwicklungsstelle für Ökostrom in Österreich.

Die Einspeisetarife für Strom aus fester Biomasse betragen für Anlagen, die im Jahr 2013 in das Programm aufgenommen werden, zwischen 10 und 19,90 cent pro kWh, abhängig von der Größe der Anlage. Die Tarife sind für die gesamte Laufzeit verbindlich. Eine Indexierung ist nicht möglich. Das kann angesichts steigender Rohstoffkosten zu Problemen bei der Wirtschaftlichkeit führen.

Im Rahmen der Ausschreibung Photovoltaik wurden innerhalb weniger Tage 11.000 Anträge gestellt. 4000 Projekte sind fix im Förderprogramm, ca. 2500 sind auf einer Warteliste.


Ing. Andrej Faber vom Energycenter Bratislava referiert über die Rolle der Nahwärmeanlagen in der Slowakei. Demnach sind die Rohstoffkosten dort mit Österreich vergleichbar, die Einspeisetarife jedoch teilweise erheblich niedriger.


Das Referat wird simultan auf deutsch übersetzt. Die deutschen Vorträge werden für die slowakischen Gäste ebenfalls übersetzt.


DI Dr. Christoph Pfeifer von der TU Wien liefert technische Grundkenntnisse der Holzvergasung. Diese unterscheidet sich nicht von Vergasungstechniken anderer biogener Rohstoffe. Österreich verfügt übrigens über eine weltweit anerkannte Holzgas-Pilotanlage in Güssing, die als dualer Wechselschichtvergaser ausgeführt ist.


DI Marcel Huber stellt sein Projekt CraftWERK vor. Huber arbeitet seit ca. 2003 an einem Holzgasverfahren, das die Vorteile bestehender Verfahren vereinen soll. 2013 und 2014 sind mehrere Demoanlagen in der Größenordnung von 250 bis 500 kW-elektrisch geplant. Sobald die Funktion gesichert ist, soll die Technik auch für andere biogene Rohstoffe wie Strohpellets, Gärreste, Pressreste und dergleichen adaptiert werden.


Die Mittagspause wird auch zur Kontaktpflege genutzt.


Nach dem Mittagessen stellen mehrere Holzgasanlagen-Hersteller ihr Angebot vor. Es referieren DI Felsberger (Fa. Urbas), Werner Klenk (Fa. Burkhardt), DI Peter Mitterer (Fa. Spanner) und DI Walter Sailer (Fa. SWET)

Ing. Günther Danninger von der LK OÖ berichtet über Pilot-Holzgasanlagen in Oberösterreich. Auf einem Bauernhof ist eine 30-kW-elektrisch-Anlage von Spanner in Betrieb. Die Holzstrom GmBH betreibt zwei Module von Urbas mit insgeamt 300 kW-elektrisch.


Dipl. Oecotroph. Sebastian Kilburg von Carmen eV. schildert die Praxissituation der Holzgasanlagen in Bayern. Demnach sind in Deutschland schon viele Anlagen in Betrieb. Die meisten finden sich in Bayern. Eine Anlage in der Dimension von Güssing arbeitet in Deutschland noch nicht. Eine vergleichbare wurde in Neuulm gebaut, es fehlt seit einem Jahr die behördliche Abnahme.


 
DI Franz Angerer vom Land NÖ, Abteilung RU 3, referiert über die Fördersituation und die Einstellung des Landes gegenüber Holzgasanlagen. Förderansuchen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen seien häufig unvollständig. Es gelingt selten, eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit nachzuweisen. Deshalb wurde bisher nur ein Förderantrag bewilligt. Das Projekt ist inzwischen in Konkurs.


DI Mag. Manfred Kirtz beleuchtet die technische und wirtschaftliche Machbarkeit am Beispiel einer Heizanlage der Bioenergie NÖ. Nach Abgleich von Grenzkosten und Grenzerträgen einer 30-kW-elektrisch-Anlage bleibt in zwei Varianten einmal ein bescheidener Gewinn bzw. ein geringer Verlust übrig. Damit ist kein nachhaltiger wirtschaftlicher Betrieb möglich.


DI Stefan Pepich berichtet in Vertretung von Ing. Peter Rusnak von TSUP Rovinka - Centrum pre Biomasu über die Energieversorgung landwirtschaftlicher Betriebe in der Slowakei und die Möglichkeiten für Holzgasnutzung. Er setzt sich im speziellen mit den Biomasse-Reserven auseinander.


Gegen 18.00 Uhr beschließt DI Mayerhofer die Tagung. Das Vortragsprogramm war dicht und hochkarätig, die angebotene Verpflegung durch die Küche der LK NÖ ausgezeichnet. Inhaltlich ist festzustellen, dass Holzgas eine interessante Lösung sein kann und eine strenge Wirtschaftlichkeitsberechnung auf jeden Fall notwendig ist, wenn ein solches Projekt langfristig funktionieren soll.

 

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